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Der jüdische Friedhof in Boslar |
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Hier klicken: Zur Übersicht des Friedhofs
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Der jüdische Friedhof in Boslar. Außerhalb des Ortes, liegt leicht zu übersehen der jüdische Friedhof in Boslar. Foto: Eickenhorst |
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Der Text auf dieser Seite stammt von Dieter Peters. Dieter Peters ist als Friedhofsbeauftragter des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Nordrhein vorwiegend in Nordrhein-Westfalen tätig. Seine umfangreiche genealogische und dokumentarische Arbeit bezieht sich jedoch auf das gesamte Bundesgebiet.
Im Jülicher Land, zwischen den Gemeinden Boslar und Tetz, befindet sich der jüdische Friedhof der ehemaligen Gemeinde Boslar. In der Flur "Am Mühlenbruch", liegt der Friedhof im Hang, ungefähr 100 Meter von der Straße entfernt. Dieser Friedhof ist das letzte Zeugnis der einstigen jüdischen Gemeinde in Boslar. Das Friedhofsgelände, eine ca. 800 Quadratmeter große Rasenfläche mit Bäumen und Sträuchern bewachsen, wird an der Hangseite durch eine ca. zwei Meter hohe Ziegelsteinmauer und an den anderen Seiten durch einen hölzernen Jägerzaun begrenzt. An einem Teil der Mauer stehen auf einem Betonsockel nebeneinander die noch vorhandenen sechs Grabsteine.
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Gegen den Verfall abgesichert. Die noch verbliebenen sechs Grabsteine wurden in einen Betonsockel eingelassen, um sie vor weiterem Schaden zu bewahren. So können die Steine nicht mehr umfallen (oder umgeworfen werden...). Foto: Eickenhorst |
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Angelegt wurde der Friedhof im Jahre 1874 von der jüdischen "Spezialgemeinde Boslar/Tetz", die zur Synagogengemeinde Müntz gehörte.
Bis 1803 sind für Boslar keine Juden nachweisbar. Da in den "Bevölkerungslisten 1803" auch noch keine Juden genannt werden, kann man davon ausgehen, dass die ersten jüdischen Familien erst ab 1803 nach Boslar gekommen sind.
Im Jahr 1811 besaß die kleine jüdische Gemeinde in Boslar immerhin schon einen Betsaal, musste ihre Toten aber noch auf dem jüdischen Friedhof im Nachbarort Tetz zu Grabe tragen. Im Jahr 1870 konnte der jüdische Friedhof in Tetz dann nicht mehr weiter verwendet werden. Grund war das steigende Grundwasser vom nahen Malefinkbach. Hatte man ein Grab ausgehoben, so soll dieses bereits nach einer Stunde bis zu einem halben Meter hoch voll Wasser gestanden haben.
Deswegen suchte die jüdische Gemeinde Boslar/Tetz ein neues geeignetes Friedhofsgrundstück, das nach jüdischem Gesetz außerhalb der Ortschaft liegen musste. Ein geeignetes Grundstück wurde nach langem Suchen dann auch gefunden: In der Flur "Am Mühlenbruch" zwischen Boslar und Tetz. genau 460 Meter lag es von beiden Orten entfernt.
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In der Flur "Am Mühlenbruch". Etwa 100 Meter von der Straße entfernt, fällt der Friedhof den meisten Passanten gar nicht auf. Da die Straße fast nur von Autofahrern frequentiert wird, halten sich die Besucherzahlen an diesem Friedhof sehr in Grenzen. Das Bild zeigt den Weg, der von der Straße zum Friedhof führt. Foto: Eickenhorst |
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Am 25. November 1873 erteilte die Königliche Regierung zu Aachen der jüdischen Spezialgemeinde Boslar/Tetz die Genehmigung, auf diesem Grundstück ihren Friedhof zu errichten. Allerdings war an diese Genehmigung eine Bedingung geknüpft: Um den Friedhof musste eine Umfriedung angebracht werden, welche eine Höhe von mindestens 2 1/4 Metern haben mußte. Die Friedhöfe in Müntz und Rödingen sind übrigens ebenfalls mit Mauern in dieser Höhe umgeben.
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Die Friedhofsmauer. Die hohe Ziegelmauer befindet sich noch heute an der Rückseite des Friedhofs. Andere Teile der Mauer sind offenbar abgetragen worden oder eingestürzt, wass Mauerfundamente noch andeuten. Die fehlenden Ummauerung wurde in den 1950er Jahren durch einen Jägerzaun ersetzt. Foto: Eickenhorst |
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Die Kosten für das Grundstück und die Mauer betrugen damals 450 Taler. Obwohl die jüdische Gemeinde nur ein Barvermögen von 110 Talern besaß, musste sie für die vollen Kosten aufkommen. Die große Jülicher Synagogengemeinde war nicht bereit, einen Zuschuss zu geben.
Als 1895 die ersten "Grundbücher" angelegt wurden, ließ die jüdische Gemeinde ihren Friedhof registrieren, Als Eigentümer wurde "Synagogen-Verband-Spezial-Gemeinde Boslar/Tetz" eingetragen.
Im Jahr 1940 wurde als letzte eine Frau Hertz aus Boslar beerdigt. Leider ist ihr Grabstein nicht erhalten geblieben.
Im Jahr 1942 ging das Eigentumsrecht am jüdischen Friedhof Boslar auf die von der NS-Regierung eingerichtete "Reichsvereinigung der Juden in Deutschland" über. Ein Jahr später ging der Friedhof in die Verwaltung des Finanzamtes Jülich über. Da den Juden nun jegliches Eigentumsrecht genommen war, wurden auch ihre Friedhöfe verkauft.
1944 kaufte der Boslarer Bürgermeister A.M. das Grundstück mit der Bezeichnung "Judenfriedhof Boslar". Durch einen Fehler beim Grundbucheintrag wurde er aber in Wirklichkeit Eigentümer des Tetzer Judenfriedhofes. Dieser Fehler wurde erst 1952 bemerkt und berichtigt.
Im Jahr 1945 wurde der Friedhof durch Panzerfahrzeuge und nach dem Krieg auch durch Umpflügen total zerstört. Die Grabsteine wurden bis auf sechs Stück zerschlagen, entfernt und sogar als Bodenbelag für Wege und Höfe benutzt. Einzelne Grabstätten waren nicht mehr zu erkennen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt der "Landesverband der Jüdischen Kulturgemeinden von Nordrhein" das Eigentumsrecht am Boslarer jüdischen Friedhof.
Der Boslarer Gemeinderat beschloss am 15. März 1950 einstimmig, mit dem in Linnich wohnenden Vertreter der jüdischen Gemeinde, Herrn Bernhard Baum über die Unterhaltung des inzwischen geschlossenen jüdischen Friedhofs zu verhandeln. Herr Baum erklärte am 16. Juni 1950, dass es seiner Auffassung nach genüge, wenn der jüdische Friedhof Boslar durch eine Hecke - "möglichst eine lebende Hecke" - eingefaßt werden würde. Die baufällige Mauer solle entfernt, das Friedhofsgelände eingeebnet und mit Rasen bepflanzt werden. Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer Sitzung am 4. Oktober 1950, daß die Instandsetzung "im Laufe der nächsten Zeit vorgenommen werde".
Erst sieben Jahre später, nachdem sich im Mai 1957 die jüdische Kultusgemeinde Aachen als neue Eigentümerin und auch Vertreter der Kreisverwaltung Aachen bei der Gemeinde Boslar und beim Amtsdirektor der Stadt Linnich über den verwahrlosten und ungepflegten Boslarer Judenfriedhof beschwert hatten, ließ die gemeinde Boslar endlich die nötigen Instandsetzungsarbeiten durchführen. Dabei wurde anstatt einer Hecke ein Holzzaun errichtet.
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Der 1957 errichtet Jägerzaun. Dringend sanierungsbedürftig erscheint dieser Zaun, der nun vielleicht doch noch der von den jüdischen Vertretern gewünschten Hecke weichen könnte? Foto: Eickenhorst |
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Nach der Instandsetzung schlug im Dezember 1957 die jüdische Kultusgemeinde Aachen in einem Schreiben dem Amtsdirektor von Linnich vor, auf dem Boslarer Judenfriedhof einen Gedenkstein aufzustellen. Dieser Gedenkstein sollte folgende Inschrift tragen:
"Zum Andenken an die ehemaligen Jüdischen Bewohner von Boslar"
Die einzige überlieferte und aktenkundige Reaktion auf diesen Vorschlag war die Mitteilung der Verwaltung, "daß man beabsichtigt, einen Kostenvoranschlag für die Anfertigung eines solchen Gedenksteines einzuholen." Ob ein solcher Kostenanschlag jemals eingeholt wurde, ist nicht bekannt.
Der Bolarer Friedhof wurde zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome im November 1988 in die heutige Form gebracht.
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Letzte Änderung am Mittwoch, 4. Juni 2008 um 16:15 Uhr.
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